Pranayama-Voraussetzungen

Anne

Ich fand deine letzte Antwort super interessant. Daraus werden sich noch mehr Fragen ergeben. Ich vermute, wir müssen gelegentlich von U-Bahnfahrten auf Langstreckenflüge umsteigen. Aus deiner Antwort ergeben sich viele neue Fragen: Ich fange einfach mal am Ende deiner Ausführung an. Was bedeutet, dass man im Verlauf der 2. Serie mit der speziellen Struktur des ashtanga-pranayama beginnt?

Beate

also, es ist ja so, dass wir schon zu Beginn unsrer ashtanga-Erfahrungen lernen, wie man in den Brustkorb atmet, ohne den Bauch zu benutzen. Unter- und Oberbauch werden sanft Richtung Wirbelsäule gezogen und dort gehalten. Dies nennt sich uddiyana-bandha. Zudem ziehen wir den Afterschließmuskel ein wenig an, was wir mit mula-bandha bezeichnen.
Wir atmen während der gesamten Praxis im ujjayi-Ton ein und aus. – Soweit die Grundlage der 1. Serie.
Dies nennt sich jedoch noch keinesfalls pranayama, sondern vielleicht tiefe Ein- und Ausatmung mit bandha-s und ujjayi.
Pranayama beginnt dann erst, wenn wir Ein- und Ausatmungen durch längere Abschnitte von Nichtatmen trennen (patanjalah yoga-sutrani 2,49). Damit möchte man so extravagante Perspektiven wie „Vereinigung von prana und apana“ (aufsteigende und absteigende Energie), Erweckung der Kundalini-Shakti (jedem Menschen eigenes Extra-Energie-Potential, das für die Seher-Qualität aktiviert werden kann) und Stärkung der allgemeingültigen Erkenntnisfähigkeit erreichen.
Im ashtangayoga-System gibt es dafür eine detailliert ausgearbeitete Struktur von Ein-, Aus- und Atemverhaltungen, die je nach Atem- und Atemverhaltungsdauer zwischen 30 und 45 Minuten beträgt, wenn man sie „abatmet“.
Die Atemverhaltung wird mit dem Sanskritbegriff „kumbhaka“ bezeichnet. Kumbhaka ist nur dann sinnvoll, wenn die bandha-s lange und korrekt gehalten werden können, die Grundatemtechnik des ujjayi automatisiert ist und Ein- und Ausatmung sehr lang (ca. 15 Sekunden oder länger ein und die gleiche Zeit aus) und voll geworden sind. Das Bindegewebe des Körpers mus stark und elastisch sein. Dies erwartet man von einem Übenden der zweiten Serie, wenn er nach dem Erlernen etwa der Hälfte des Programms von nadi shodana, dies ist der Name der 2. Serie, mit pranayama, der Atemverhaltung (kumbhaka) beginnt.

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