Geistige Vorraussetzungen

Oktober 24, 2010 By In Blog über die 2. Serie No Comment

Anne

Ich vermute, damit nähern wir uns dann allmählich auch der 2. Serie, oder?

Beate

Ja. Wenn wir nun unseren Körper von den individuell im Verlauf unseres Lebens erworbenen Alltagsschäden befreit haben und uns während der Praxis ausschließlich auf Atem, bandha-s und drishti konzentrieren können, haben wir auch die geistigen und psychischen Grundlagen für die 2. Serie geschaffen: Freiheit vom eigenen Wollen, absichtsloses Handeln, tätig sein, ohne sich an die Ergebnisse zu verhaften und Ausschließlichkeit in der Wahrnehmung unsres Körpers, Geistes und der Psyche von einem externen Seherstandpunkt aus.
Die therapeutische Arbeit der 1. Serie ist beendet. Die 2. Serie kann nun durch simples vinyasa krama, des Schritt-für-Schritt Aufbaus, gleichmütig gestaltet werden.
Wir leiden nicht mehr: der Körper geht mit uns, der Geist ist von Verhaftung gelöst, die Zeugenhaltung wird in der ashtangayoga Praxis und im Alltag eingenommen. Dies alles konnten wir durch richtige Praxis und richtige Haltung zur Praxis der 1. Serie etablieren, indem wir uns von unsrer Involviertheit in uns selbst gelöst und dadurch eine Rückführung zum absichtslosen Bewusstsein eingeleitet haben. Dazu können wir einige sutrani aus Patanjali Kapitel 2 anführen:
2,2 – samādhibhāvanārthaḥ kleśatanūkaraṇārthaśca
Yoga dient dem Herbeiführen von Versenkung samādhi und der Schwächung der Leiden kleśa-s
2,3 – avidyāsmitārāgadveṣābhiniveśāḥ kleśāḥ
Unwissenheit, Verhaftung an die minütlich wechselnden Grundstimmungen, Leidenschaft, Hass und das Verkrallen in den individuellen wunschbesetzten Lebensweg sind die Leiden kleśa-s
2,4 – avidyā kṣetramuttareṣāṃ prasuptatanuvicchinnodārāṇām
Aus dem Basisleiden Unwissenheit entstehen die übrigen vier Leiden
2,5 – anityāśuciduḥkhānātmasu nityaśucisukhātmakhyātiravidyā
Unwissenheit avidyā (kann genau definiert werden): wir lassen uns von den Grundstimmungen (tätig, träge und die Mittellage von beiden)leiten. Unser Wesen besteht nach Patanajli jedoch aus reiner Wahrnehmung.
2,10 – te pratiprasavaheyāḥ sūkṣmāḥ
Die Leiden werden durch Auflösung von Unwissenheit mithilfe von Rückführung auf das absichtslose Bewusstsein aufgelöst.

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